Geschichte der Wolgadeutschen
Приложение к статье: Бухольц Леон Карлович

Daheim an der Wolga

Von  Dr. L. Bucholtz.

Erdenglückes  schönster  Reim
Ist  das  kleine  Wort – Daheim.

Meinem Herzen wurde bange,
Als die Heimat ich verließ,
Folgend einem dunklen Drange
Fernen Orts mich niederließ.
Half nicht Mutters Flehn noch Schreiben
Von der Glückes schönstem Reim:
„Besser ist´s  im Land zu bleiben;
In der Heimat  –  ist daheim.“

Mutter, Mutter! laß die Tränen!
Überall ist gleich die Welt;
Fühle doch des Jünglings Sehnen,
Von der Hoffnung Macht geschwellt!
Mache nicht den Sinn mir wanken,
Merke dir zum Trost den Reim:
„Ewig bleib´ ich in Gedanken,
Bleib´ bei Muttern – bleib´  daheim.“

Traf den Lenz im Prachtgewande,
Als ich wieder angelangt.
Wie im breiten, blauen Bande
Wolga majestätisch prangt!
Sah die Lerche aufwärts schweben,
Jubelt in mein Herz hinein:
„An der Wolga läßt sich´s  leben,
An der Wolga glücklich sein.“

Seid gegrüßet, deutsche Gauen,
Deutsch zur Republik geeint,
Deutsche Sitten, deutsche Frauen,
Deutscher Geist und Wort vereint!
Alter Traum von Millionen
Lebe hoch! kein leerer Schein !
„An der Wolga kannst du wohnen,
An der Wolga Deutscher sein.“

Zu des Lichtes Strahlenkrone
Jedes Pflänzchen sich erhebt;
Gleicherweis im Menschensohne
Heiß das Herz nach Liebe strebt.
Trautes Lieb! im Land der Treue
Lag des Erdenglückes Reim:
„Gabst die Heimat mir aufs neue,
Fand mein Heim und bin daheim.“

Gleichwie nach des Winters Wende
Die Natur zu Glanz erwacht,
Blühen wir am Lebensende
Auf in unsrer Kinder Pracht.
Und in ihrem neuen Streben –
Unsrem Grabstein schreibt drum ein:
„An der Wolga war gut leben,
Gut an ihr begraben sein.“


Unsere Wirtschaft, 1925, Nr. 19, Beilage: Naturbilder aus unserem Gebiet, S. 73.